Audi A3 Sportback: C’est si bon

Audi A3 Sportback

Audi hatte sich für die Vorstellung des A3 Sportback etwas Besonderes einfallen lassen: eine Einladung an die Cote d*Azur, genauer gesagt nach Monte Carlo.

A3 SB 24 300x212 Audi A3 Sportback: Cest si bonNach 20 Minuten musste ich aus dem Auto aussteigen. Es ging einfach nicht. Das hatte aber nicht mit dem A3 Sportback zu tun, sondern mehr mit den 16 Grad Außentemperatur Ende November und einer berauschenden Aussicht auf das Mittelmeer, nebst pittoresk gelegenem Dorf ein paar Meter weiter unten am Strand. Die vom Flug von etwas steifen Knochen durchschütteln und vor allem: durchatmen. Vor und hinter mir lag sie also, die Cote d’Azur. Mein letzter Besuch an diesem Ort ist schon etwas länger her. Damals bin ich mit meinem VW Käfer an einem kalten Oktoberabend in Köln losgefahren, einfach immer Richtung Süden. Auf dem Weg fiel mir ein, dass ich ja schon immer mal nach Saintes-Maries-de-la-Mer wollte, wo ich dann zwei Tage später auch ankam. Danach dann die Cote d’Azur entlang gefahren, kurz vor Monte Carlo wurde dann das Geld knapp, also wieder zurück. Aber genau wie damals hat mich die Gegend sofort verzaubert. Dieses Mal hatte ich dann aber auch das richtige Auto für das bergige Hinterland dabei.

So schön die Cote d’ Azur auch ist, an manchen Stellen ist sie abgrundtief hässlich. Selbst in die sanfte und meist schmale Küstenlandschaft haben die Franzosen es geschafft, architektonischen Brutalismus zu verbauen. In einem Vorort von Nizza zum Beispiel die Anlage Marina Baie des Anges, sieht man schön, wenn man mit dem Flugzeug in Nizza landet. Eine monströse Hässlichkeit, die einen gesamten Küstenabschnitt verschandelt.

A3 SB 25 300x212 Audi A3 Sportback: Cest si bonWie gut, dass der A3 Sportback da einen Kontrapunkt setzt. Bis zur B-Säule handelt es sich dabei um einen normalen A3, gleich dem, den ich im Mai auf Mallorca getestet habe. Dann folgen zwei Türen und ein schönes Heck. Knapp sieben Zentimeter ist der A3 in der Länge gewachsen, was sich vor allem auf den hinteren Plätzen zeigt. Selbst groß gewachsene Menschen sitzen bequem und haben viel Beinfreiheit. Zu dem ist der Einstieg durch die hintere Tür logischerweise bequemer, als bei einem 3-Türer.

Bemerkenswert ist die Linie des A3. Er wirkt fast wie ein Kombi, was aber nicht wirklich ist, weil der Kofferraum dafür dann doch etwas klein ist. Klappt man die Sitze um, hat man allerdings wieder jede Menge Platz. Schaut man sich das Auto von der Seite an, fällt einem vor allem die schmale C-Säule auf, die nicht wie eine fette Säule das Heck des Wagens abstützt. Das schafft eine schönere Linie und mehr Sicht nach hinten.

Im Innenraum gibt es keine Neuigkeiten. Alles ist an seinem Platz, die wunderbar aufgeräumte Mittelkonsole ist eine Augenweide, ebenso wie das sehr klar gezeichnete Cockpit mit seinen Instrumenten. Einzig die überflüssige LED-Anzeige für Tankinhalt und Wassertemperatur störte mich persönlich ein wenig. Die ist schwer abzulesen und zu dem scheint sie etwas ungenau. Mangels Zeit bin ich nicht dazu gekommen, den Tank mal leer zu fahren, aber interessiert hätte es mich schon, wie die Anzeige am Ende der Skala reagiert. Man kann einwenden, dass man die Reichweite auch über das Display ablesen kann, dies dazu noch genauer, als wenn man auf einen Pfeil starrt. Vielleicht bin ich da “old-school”, aber für den schnellen Blick auf die Tankanzeige bevorzuge ich dann doch die altmodische Lösung.

Lobend erwähnen muss man an dieser Stelle mal das aufpreispflichtige Navigationssystem von Audi, dass mit Einfahrt nach Monte Carlo schwerst gefordert wurde. Denn der Stadtstaat am Mittelmeer ist straßentechnisch eine Katastrophe. Die Hälfte der Straßen verlaufen unter (!) der Stadt, natürlich mit Ampeln, Kreisverkehren und was man sonst so nicht braucht. Auf der anderer Hälfte der Straßen, die überirdisch verlaufen, herrscht selbst an einem normalen Tag Stoßverkehr. Die Suche nach der richtigen Kreuzung wird zum Geduldsspiel, für die Parkplatzsuche braucht eine buddhistische Grundhaltung. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was in der Stadt los ist, wenn die Formel Eins da ist. Zumindest verlor das Navi im A3 nie den Überblick, auch nicht in den kilometerlangen Tunnels.

Monte Carlo, das ist für viele quasi die Quintessenz von Mittelmeer und Reichtum. Was Letzteres angeht, mag das stimmen, zumindest, wenn man die Anzahl der Fahrzeuge mit einem Neuwagenpreis von über 200.000 Euro zugrunde legt. Selten habe ich so viele Bentleys, F458 usw. auf einen Haufen gesehen. Offenbar ist es auch ok, wenn man Rolls morgens aus der Garage holt, um die Frühstückseier zu holen.

A3 SB 19 300x225 Audi A3 Sportback: Cest si bonAber was die Stadt angeht… irgendwie eine Mischung aus wunderschönen Ecken (Hafen) und architektonischen Albträumen. Die Hochhäuser stehen teilweise so eng, dass sie sich gegenseitig die Sonne nehmen und die Nachbarn sich vom Balkon per Handschlag begrüßen können. Aber nun ja – man lebt halt steuerfrei, da muss man halt Kompromisse machen. Und die Steuerfreiheit bekommt man nur, wenn man 180 Tage im Jahr vor Ort ist. Weil Reiche aber nicht zwingend gerne in Gettos wohnen wollen, kann man sich eine goldene Nase damit verdienen, in dem die Anwesenheit der Bewohner vortäuscht. Offenbar leben einige Monegassen sehr gut davon, dass sie täglich leere Wohnungen betreten, dort das Licht an und aus machen, ein wenig Strom und Wasser verbrauchen, das Telefon benutzen und Müll produzieren. Es soll sogar Dienste gehen, die den Müll extra mitbringen, denn mittels Müll wird auch geprüft, ob der Bewohner wirklich die 180 Tage im Jahr vor Ort ist.

Also lieber raus aus Monaco, ab in die Berge und schauen, was der A3 so drauf ist. Gewählt dafür hatte ich den A3 mit dem 1.4 Liter TFSI der 140 PS leistet. Dazu die Sieben-Gang S-Tronic. Schon auf Mallorca hatte ich diese Kombination gewählt und war einigermaßen angetan. Der Sportback ist insgesamt nur 30 Kilo schwerer als das kleine Modell, große Unterschiede sollten sich also nicht einstellen.

Und so war es dann auch, allerdings mit einer kleinen Einschränkung. Der etwas längere Radstand macht sich natürlich ein wenig bemerkbar. Das ist jetzt Jammern auf hohem Niveau, aber in den vielen Haarnadeln spürt man ein längeres Auto schon. Dynamisch bleibt der A3 auf der positiven Seite angesiedelt, was vor allem der Kombination aus Lenkung und Fahrwerk zu verdanken ist.

A3 SB 12 300x225 Audi A3 Sportback: Cest si bonDie Lenkung ist wirklich ein Gedicht. Sie ist direkt und gibt exakte Rückmeldungen über das, was die Vorderräder gerade machen. Es gibt keine Verzögerung, keine Schwammigkeiten, man hat immer das Gefühl, dass der Wagen genau dahin fährt, wo man in hinhaben möchte. Das ist besonders bei sportlicher Fahrweise ein Genuss und eine große Hilfe, weil der Wagen schnell Sicherheit ausstrahlt. Bevor man die eine Kurve hinter sich hat, kann getrost schon die nächste anvisieren. Man muss sich keine Gedanken darüber, dass es zu Überraschungen kommt, oder was der Wagen in der Kurve macht und ob er den Scheitelpunkt halten kann. Anvisieren, Richtung vorgeben, vergessen und nächste Kurve anschauen.

Und das unterscheidet den A3 dann auch vom Golf 7, der nicht ganz so sportlich daher kommt. Die Lenkung im Golf 7, obwohl nicht schlecht, erscheint im Vergleich mit dem A3 etwas leblos.

Natürlich kommt die Frage auf, ob der A3 generell der “bessere Golf” ist. Das ist ein etwas gemeiner Vergleich, denn der A3 kostet schon in der Basisversion 5.000 Euro mehr als der neue Golf. In Sachen Verarbeitung tun sich beide nichts, das Innendesign ist Geschmackssache. In Sachen Motoren gibt es auch wenig Unterschiede. Die Punkte “Fahrwerk”, “Kofferraum” und “Grundausstattung” machen den Unterschied. Welches das bessere Auto ist, muss man aber tatsächlich für sich selber entscheiden, zu groß sind die Unterschiede in Sachen Geschmack.

Und wie sind die Diesel? Ich habe kurz den 1.6 Liter Diesel getestet, allerdings mehr über die Autobahn. Da spielt der Selbstzünder seine Stärken aus, weil er ruhig und mit viel Drehmoment seine Bahn zieht. Aber irgendwie scheint mir der Diesel im A3 fehlplatziert zu sein. Der A3 ist so dynamisch ausgelegt, dass ein Diesel dem kaum gerecht werden kann. Und eigentlich will man auch gar nicht über die Autobahn gondeln, sondern lieber ein paar kurvenreiche Landstraßen unter die Räder nehmen. Und im Hinterkopf formt sich der Wunsch nach einem “RS” Modell.

Der Abschied vom Audi A3 Sportback fiel tatsächlich selbst nach so kurzer Zeit schon ein wenig schwer. Ich hätte gerne mehr Zeit mit ihm an der Cote d’ Azur verbracht. Gerne wäre ich weiter an der Küste entlang gefahren, aber in Richtung Bandol und Cassis. In Ecken, in denen die Gegend vielleicht etwas weniger besiedelt ist, wo der Geist der 50er und 60er Jahre noch stärker konserviert ist und man sich vorstellen kann, gleich von Gunter Sachs in einem alten Ferrari überholt zu werden.

(Kurzer Hinweise in eigener Sache: 1. Kosten für Flug/Hotel wurden von Audi übernommen. 2. Sorry für die längere Pause hier. Viele Reisen, sehr viel Arbeit und zwei Erkrankungen ließen leider keine Zeit übrig.)

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